Schluchtenwanderung Hartelsgraben

7. bis 8. Juli 2018   Gesäuse

Eckarts Aufruf zu einem Gesäuse-Wochenende – mit einem ca. 20 Punkte umfassenden Arbeitsprogramm – hatte drei weitere Mitstreiter nicht davon abgeschreckt, sich schon um 9 Uhr morgens bei Nieselregen am Parkplatz beim Hartelsgraben einzufinden. Durch den Hartelsgraben führt die älteste Forststraße der Steiermark, über hunderte Höhenmeter, vorbei an zahlreichen (unerforschten) Wasserfällen, durch einen kalt-feuchten Schluchtenwald in Richtung Sulzkaralm / Hochzinödl. Ursprünglich für die Rundholzbringung und Holzkohleproduktion errichtet, konnte sie die Vorgeneration der "harten Männer" der Höhlenforschung noch bis vor wenigen Jahrzehnten mit dem VW Käfer bezwingen. Heute ist die automobile Befahrung weder erlaubt noch empfehlenswert, man sehnt sich – nationalparkkonform – Pferde herbei. Solche begegnen uns zwar tatsächlich, aufsitzen ließen sie uns aber nicht. Nur mit strengst-musternder Miene gewährten sie uns die weitere Passage durch ihre Gefilde.
\r\n   Schon der erste Programmpunkt, die Aufsuchung und erstmalige Vermessung der von Ernst Straka sen. beschriebenen Scheichkogelhöhle (1713/27), erwies sich als tagesfüllend. Abseits der Straße geht es teils weglos über die Feuchtgebiete des Scheichkogels, wobei ein Bach heikel überspreizt werden muss – nicht alle Socken blieben dabei trocken. Nach weiterem Auf und Ab im Steilgelände, teils mit Seilhilfe, war das eindrucksvolle Höhlenportal mit mehreren Eingängen nach drei Stunden Zustieg erreicht, die Vermessung der Horizontalhöhle ergab eine Länge von 121m, der letzte Meter davon von Hand ergraben. Die Begehung des umgebenden Geländes ergab leider kein weiteres, katasterwürdiges Objekt. Nach dem Abstieg verabschiedete sich Karl nach Graz. Die Verbliebenen stärkten sich im Gasthof zur Bachbrücke. Anschließend klang der Abend bei der zuvorkommenden Höhlenforscherfee Simone P. und (vergorener) Kräuterlimonade aus.
\r\n   Auch am Folgetag zeigte sich das Wetter unbeständig: Die höchste Konzentration erfordernde Querung des Steilabfalls und einer Steilrinne zur noch unvermessenen Goldeck-Wasserfallhöhle (1714/8) musste infolge einsetzenden Nieselregens leider auf halbem Weg abgebrochen werden; retour ging es nur mit Helm, Seilsicherung und flatternden Nerven. Die weiteren Ziele (ebenfalls von Ernst Straka sen. erstbeschrieben) erforderten die Querung des Hartelsgrabenbachs: Nur kaltfüßige „free-solo“-Kletterei garantierte dabei trockene Socken und Schuhe. Als schnell vermessen erwiesen sich die so erreichten Objekte Geiermauerhöhle (1713/33, L 15m) und Hochreithöhle (1713/34, L 14m). Letzterer konnte durch beherzte Grabungs- und Schliefarbeit – in einer die Höhle abschließenden, senkrechten, offenbar aus Flussgeröll gebildeten Wand (ca. 200 Hm über dem heutigen Grabenniveau) – zwei weitere Meter abgerungen werden. Weiteres Vordringen erscheint zumindest nicht ausgeschlossen, erfordert aber wirkungsvolleres Grabungswerkzeug als Wanderstöcke.
\r\n   Am Retourweg fand Eckart mit der Wasserfallnische (L 9m) noch eine neue katasterwürdige Halbhöhle.