Forschungstage Kalkspitzen

26. bis 30. August 2017   Schladminger Tauern

Nachdem sich im Vorjahr bei den als Nachwuchsförderung ausgeschriebenen „JungforscherInnentagen“ Vertreter unterschiedlicher Altersgruppen beteiligten wurden heuer unter VÖH-Flagge einfach „Forschungstage“ ausgeschrieben – und stießen durchaus wieder auf großes Interesse: Die 15 beteiligten ForscherInnen aus drei Bundesländern sowie England, Deutschland und Kroatien waren wieder mit großem Eifer bei der Sache, und so waren nach drei vollen und zwei halben Forschungstagen 1,2 km in 17 Höhlen erforscht und vermessen.
\r\n\\r\\nDie Kalkspitzen sind zwei aus Dolomit und Kalkmarmor bestehende Zapfen inmitten der sonst aus Kristallin aufgebauten Schladminger Tauern (der Name beider „Spitzen“ ist irreführend, besitzen doch beide ein winziges Spitzenhäubchen aus anderen Gesteinen). Während die Steirische Kalkspitze (2459 m) labyrinthische Horizontalhöhlen durchziehen, ist die Lungauer Kalkspitze (2471 m) von senkrechten Schächten im bröseligen Dolomit geradezu durchlöchert.
\r\n\\r\\nDer schon im Vorjahr zur Großhöhle gemachten Vierten Etage (2622/5) wurden durch Schlotkletterei und unverdrossenes Schliefen weitere 187 m Neuland abgerungen, sodass sich diese Höhle mit einer neuen Gesamtlänge von 692 m an der Spitze halten konnte – dicht gefolgt von der Durchgangshöhle (2622/2), die mit einem Plus von 342 m vorerst 624 m erreicht. Unweit von diesen fast ineinander verschränkten und doch (noch) nicht zusammenhängenden Höhlen wurde der Wolfsbiestschacht entdeckt und auf 148 m Länge erforscht. Darin wurden Skelette von Wolf und Schaf gefunden. Der im Höhlenverzeichnis mit 140 m Länge und 80 m Tiefe, aber ohne entsprechende Unterlagen geführte Quellschacht (2622/4) erwies sich mit 97 m Länge und weniger als 40 m Tiefe als deutlich kleiner, dafür kamen im nahe gelegenen Quadrupelschacht (2622/11) dank rückschmelzenden Firns 128 m Ganglänge dazu, und das komplizierte Objekt erreicht nun 181 m. Im großräumigen Enzianschacht wurde vorerst bei 60 m in einem mächtigen Schachtraum gestoppt. Hier und in/um zahlreiche weitere Höhlen wurden diverse Altlasten (z.B. ein schon fast verschütteter Behälter mit Karbid) geborgen und entsorgt. Das im Vorjahr von Edgar Dachs südlich des Znachsattels gemeldete und nun 68 m lange und Edgars Schacht benannte Objekt war am Mittwoch der Schlusspunkt unserer Geländearbeit.
\r\n\\r\\nNeben diesen größeren Höhlen wurden auch einige kleinere Objekte besucht und vermessen – so z.B. die Faltenspalte mit knapp 20 m Ganglänge oder der knapp 10 m tiefe Suizidschafschacht, an dessen Schachtrand überaus neugierige Schafe herumstanden, und drei am Schachtboden aufgefundene Schafskelette belegen, dass sich manchmal auch ein Schaf zu weit über den Schachtrand hinaus wagt. Kurioses fanden wir auch im Ahkarschacht, wo wir in Bodennähe verankerte Seile, welche im Schutt verschwanden, antrafen. Später erfuhren wir, dass Lungauer Forscher dort vergangenen Herbst einen etwa 100 m tiefen Schacht teilweise befahren hatten, der Schachteinstieg war nur leider mittlerweile unter einer offenbar meterdicken Schuttdecke begraben.
\r\n\\r\\nBesuch bekamen wir von zwei Lungauer Forschern, die von ihrem Spezl leider erst so spät über unsere Aktion informiert wurden, dass sie nicht länger als einen Tag bleiben konnten. Weitere Zusammenarbeit wurde vereinbart, zumal die Lungauer in diesem Gebiet schon einige bis 70 m tiefe Schächte erkundet haben und großes Interesse zeigen, die Höhlenvermessung zu erlernen.
\r\n\\r\\nFür den Erfolg der Forschungstage war auch das gute Wetter entscheidend, während die diesmal infolge großen Touristenansturms recht beengten Verhältnisse (speziell die Lagerverwaltung) auf der Giglachseehütte nicht allseits auf Begeisterung stießen. Möge uns das zu den Safari-Jagdtrophäen in der Gaststube neben Kudu, Springbock und Hartebeest applizierte „Mousebiest“ zukünftig vor Zusammenpferchung bewahren!
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Mit dabei: Chris Coram, Roland Harnisch, Eckart Herrmann (Organisation), Bernhard Lentner, Sibylle Mertsch, Tina Mrkos, Walter Mühlbacher, Michael Nagl, Nikola Pletikosic, Dirk Schröder, Karl Stöger, Peter Straka, Johannes Wallner, Alexander Wendel, Barbara Wielander (Organisation)
Vermessen: 1200 m

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Karst vor prächtiger Tauernkulisse. F: Eckart Herrmann
Karst vor prächtiger Tauernkulisse. F: Eckart Herrmann
Ahkarhöhle. F: Michael Nagl
Ahkarhöhle. F: Michael Nagl
Hier ist alles anders: der Quellschacht folgt einem Quarzband (!) im Dolomit. F: E. Herrmann
Hier ist alles anders: der Quellschacht folgt einem Quarzband (!) im Dolomit. F: E. Herrmann
Durchgangshöhle im Kalkmarmor. F: Peter Straka
Durchgangshöhle im Kalkmarmor. F: Peter Straka
Urlaub in Österreich. F: Eckart Herrmann
Urlaub in Österreich. F: Eckart Herrmann
Großer Schliefeinsatz in der Vierten Etage. F: Barbara Wielander
Großer Schliefeinsatz in der Vierten Etage. F: Barbara Wielander
Prospektion (1). F: Barbara Wielander
Prospektion (1). F: Barbara Wielander
Prospektion (2). F: Michael Nagl
Prospektion (2). F: Michael Nagl
Vierte Etage. F: Walter Mühlbacher
Vierte Etage. F: Walter Mühlbacher
Wolfsbiestschacht. F: Peter Straka
Wolfsbiestschacht. F: Peter Straka
Mousebiest. F: Peter Straka
Mousebiest. F: Peter Straka
Prospektion (3). F: Bernhard Lentner
Prospektion (3). F: Bernhard Lentner
Wolfsbiestschacht. F: Peter Straka
Wolfsbiestschacht. F: Peter Straka
Quadrupelschacht. F: Eckart Herrmann
Quadrupelschacht. F: Eckart Herrmann
Quadrupelschacht. F: Eckart Herrmann
Quadrupelschacht. F: Eckart Herrmann
Verschüttete Schachteinbauten von Vorgängern. F: Michael Nagl
Verschüttete Schachteinbauten von Vorgängern. F: Michael Nagl
Team. F: Peter Straka
Team. F: Peter Straka

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