Pfingsten ohne Unwetter im Gesäuse

3. bis 5. Juni 2017   Gesäuse

Wenn sich für ein Gseis-Wochenende nur die Gründungsväter (die zumindest wissentlich beide keine Väter sind) des Speleo-Alpin-Gedankens einfinden, dann steht Aktionen schärferer Richtung nichts im Weg. Am Vorabend wird allerdings noch Reinhards Bruder Walter in Neustift bei Scheibbs rausgeläutet, um eine Erlauf-Uferhöhle zu vermessen, die Reinhard und Walter schon seit ihren Jugendtagen kennen: Mit geschätzten 200m Entfernung vom Wohnhaus war sie aber immer zu nah zum vermessen (Neustifter Uferhöhle, L 11m).
\r\n\\r\\nAm Pfingstsonntag wenden wir uns den teils überhängend steilen „Vorbauten“ der Zinödl-Nordwände zu, worin Ernst Straka ein sehr verlockendes Portal fotografiert hat. Der entschlossene Kletteraufstieg bringt uns in eine geräumige, aber leider nur 29m lange (bisher noch unbenannte) Höhle mit Wasserbecken am Schluss. Es folgen viele Höhenmeter auf und ab im Steilschrofengelände, was uns neben ein paar Zecken die neue Orange Höhle (L 19) und die erstmalige Vermessung der Roten Höhle mit benachbarter Kolkhöhle (1713/19+20) einbringt. Diese beiden Höhlen liegen unter einem gemeinsamen, riesigen Überhang, der uns vor einem Regenguss schützt und für uns Anlass ist, eine der beiden Katasternummern zu „vernichten“. Zusammen sind die bisher getrennten, nun aber zu siamesischen Zwillingen gemachten Höhlen 38 m lang. Als heikel erweist sich das seilfreie Abklettern über die nun regennasse Reibungsplatte am Zugang…
\r\n\\r\\nFür Montag schlägt Reinhard eine Höhle in der Tieflimauer-Südwestwandroute vor, die er von einer früheren Begehung kennt. Die Zustiegsangaben bis zum Wandfuß der Tieflimauer (3,5-4 h) lassen uns einen sehr schnellen Schritt einschlagen, und wir schaffen es in 3 h hinauf, wobei wir uns am Ende noch kurz verrennen und dabei eine 10m lange Kleinhöhle entdecken. Über die Tieflimauer-Westkante und eine Querung schwindeln wir uns dann in die deutlich schwierigere Südwestwand. Die Höhle, durch deren Dachverschneidung die schon bis dahin exponierte SW-Wand-Route luftig weiter nach oben führt ist ein altes Karsthöhlenrelikt und bringt es auf 42m, inklusive Schachtabstieg im Casteret-Stil.
\r\n\\r\\nDank Doppelseil kommen wir nach der Vermessung mit 2 x Abseilen wieder zum Wandfuß, und eine Abstiegs-Direttissima nach Gstatterboden absolvieren wir in 1 Stunde und vierzig Minuten. Reinhard meint, dass so eine Tour 2 Wochen Ayurveda erspart.

Mit dabei: Reinhard Fischer, Eckart Herrmann
Vermessen: 149 m

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Neustifter Halbhöhle. Foto: Reinhard Fischer
Neustifter Halbhöhle. Foto: Reinhard Fischer
Objekt der Begierde, Zinödl Nord. Foto: Reinhard Fischer
Objekt der Begierde, Zinödl Nord. Foto: Reinhard Fischer
Entschlossener Kletteraufstieg. Foto: Eckart Herrmann
Entschlossener Kletteraufstieg. Foto: Eckart Herrmann
Im Höhleninneren. Foto: Reinhard Fischer
Im Höhleninneren. Foto: Reinhard Fischer
Rückweg zum Wandfuß. Foto: Reinhard Fischer
Rückweg zum Wandfuß. Foto: Reinhard Fischer
Bunter Gast am Gurt. Foto: Reinhard Fischer
Bunter Gast am Gurt. Foto: Reinhard Fischer
Rote Höhle und Kolkhöhle. Foto: Eckart Herrmann
Rote Höhle und Kolkhöhle. Foto: Eckart Herrmann
Kolkhöhle. Foto: Reinhard Fischer
Kolkhöhle. Foto: Reinhard Fischer
Schacht in der Tieflimauer-.SW-Wandhöhle. Foto: Reinhard Fischer
Schacht in der Tieflimauer-.SW-Wandhöhle. Foto: Reinhard Fischer
Und noch einmal abseilen. Foto: Reinhard Fischer
Und noch einmal abseilen. Foto: Reinhard Fischer

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