Noch mehr Neuland in der Gemsenhöhle (Dürrenstein)

18. Juni 2017  

Am 18.6. fand nach dem großen Erfolg der Vorwoche erneut eine Forschungstour in die Gemsenhöhle statt, an der sich diesmal fünf Forscher, namentlich Gerhard Langenecker, Martin Jager, Walter Mühlbacher, Max Sadilek und Wetti Wielander beteiligten. Beim Zustieg war’s gottseidank nicht mehr so unmenschlich heiß, sodass alle nach knapp zwei Stunden noch frisch und munter den Höhleneingang erreichten und zwei weitere Stunden später an der letzte Woche erweiterten Engstelle angelangten. Martin, Max und Gerhard wurden vorerst in den östlichen Ast des Neulandes geschickt, um dort ein Fragezeichen in Form einer nach unten führenden Stufe abzuklären. Dies war auch schnell geschehen – die Stufe führte zurück zum bekannten Gang, durch diesen Rundgang konnten also gleich zwei Fragezeichen abgeklärt werden. Die Vermessung der Strecke ist allerdings noch ausständig. In der Zwischenzeit fingen Walter und Wetti an, den nach Süden führenden, großräumigeren Ast zu vermessen. Im beeindruckenden Canyon ging es flott dahin. Nach ca. 23 m gelangt man im Canyon an eine leicht kletterbare Stufe, dort fällt das markante Schlüssellochprofil des Ganges auf und man kann auf einer oberen Canyonetage noch ein paar Meter ausgesetzt nach Norden zurück gehen. Die übrigen drei hatten die Vermesser rasch eingeholt bzw. überholt und fingen an, das Neuland ausgiebigst zu fotografieren. Da die Vermesser doch etwas langsamer unterwegs waren, übernahm das Dreierteam den Neulandvorstoß und begann, noch nicht erkundete Schachtstufen am Ende des bisher begangenen Neulandes einzubauen und zu befahren. So ging es munter dahin – je tiefer man kam, desto schöner schien die Höhle zu werden! Wenige Meter nach der Kletterstelle fällt im Canyon ein markantes Sohlengerinne auf, dass etwas weiter südlich in Form eines kleinen Wasserfalls über eine ca. 7 m tiefe Stufe in die Tiefe stürzt. Dieser Abbruch ist großräumig und recht spektakulär – der Canyon dreht hier von Süd auf Südwest, am Canyongrund kann man auf einem riesigen, mehrere Meter hohen Felsblock landen. Hinter diesem gelangt man in eine Kammer, in welcher man eine kleine Sinterfigur sowie ein von Collembolen (Springschwänzen) bevölkertes Sinterbecken findet. Direkt am Block sieht man auch zahlreiche Megalodonten. Der Canyon zieht weiter nach Südosten. Am Boden findet man nach wie vor das Gerinne, die Wände zieren Lehmbänke und Lehmbäumchen in allen nur erdenklichen Formen. Stellenweise findet man auch hübsche Lehmpolygone sowie Konglomeratbänke. Es folgt eine Lehmrutsche und ein weiterer Schachtabstieg, hinter dem man durch eine enge Spalte in eine kleine, lehmige Kammer mit Deckenkolken schlüpfen kann. Rund 110 m nach Beginn des Canyons wird dieser auf einmal deutlich enger, sodass man zum ersten Mal den Schleifsack abnehmen und sich tatsächlich etwas winden muss, um weiter zu kommen. Doch die Engstelle ist nicht lang – nach wenigen Metern nimmt der Canyon wieder seine gewohnten, großen Ausmaße an. Nach knapp 40 m erreicht man eine Gabelung, hier wurde mit dem Vermessen aufgehört, da es immer schwieriger wurde, auf dem lehmigen Touchscreens des PdAs zu zeichnen. Aber die Neugier auf das Neuland war dann doch größer, sodass beide Gänge noch einige Meter weit erkundet wurden. Der westlichere der beiden Gänge ist eher niedrig und verfügt über einen Boden aus feinem Sand, im östlichen Gang plätschert ein munteres Höhlenbächlein, in das alsbald ein kleiner Wasserfall ergießt, der von einem leicht erhöht liegenden, kletternd erreichbaren, entzückenden Quelltöpfchen gespeist wird. Flussabwärts von der Quelle findet man im Höhlenbach größere Konglomeratbrocken.
\r\nMarkant ist in diesem Höhlenteil auch ein offenbar tiefer, runder See oder Siphon – der Einstieg liegt ein paar Meter unter dem Gangniveau in einem kuppelarigen Raum, sodass der See nicht ganz eingesehen werden konnte. Der östliche Gang konnte bis an den Abbruch eines weiteren Schachtes befahren werden. Schweren Herzens wurde hier der Rückweg angetreten und die Höhle konnte nach insgesamt 13 Stunden wieder verlassen werden. Insgesamt wurden in den neuen Höhlenteilen 384 m vermessen, etwa weitere 150 m konnten begangen werden. Der Vermessungsendpunkt befindet sich zurzeit 95 m unter der alten Endhalle der Höhle. Es bleibt spannend!

Mit dabei: Martin Jager, Gerhard Langenecker, Walter Mühlbacher, Max Sadilek, Wetti Wielander
Vermessen: 384 m

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Markantes Schlüssellochprofil. Foto: B. Wielander
Markantes Schlüssellochprofil. Foto: B. Wielander
Megalodonten. Foto: B. Wielander
Megalodonten. Foto: B. Wielander
Collembolen. Foto: G. Langenecker
Collembolen. Foto: G. Langenecker

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