Steirischer Frühling

9. April 2017   Grazer Bergland

Während am Wiener Rathausplatz der Steiermark Frühling noch um Besucher der Grünen Mark wirbt sind wir schon da. Frisch aus dem Winterschlaf erwacht wird unter den Höhlendokumentatoren die Frage „zu dir oder zu mir“ zu Gunsten des Grazer Berglandes entschieden: Hannes hat im Kataster den Spinnenschacht bei Frohnleiten als noch planlos identifiziert und den Himmelreichschacht als unklar. Unter den Möglichkeiten für Anfang April ist dies das interessanteste Ziel im Rahmen unserer Überlegungen.
\r\nAm Parkplatz finden sich dann überraschend rekordverdächtige 8 forschungswillige Personen  ein, und so hat Hannes gleich einiges zu koordinieren, um alle auf sinnvolle Aufgaben zu verteilen. Unweit des vermuteten Himmelreichschachtes deute ich auf eine interessant aussehende Doline, aber Hannes meint, sich das zuletzt schon angeschaut zu haben. Er geht dann aber doch hin, und schon haben wir mit der Schädelkammer ein drittes (neues) zu bearbeitendes Objekt, das sich Barbara und Wetti auch gleich vornehmen. Peter und ich vermessen den Himmelreichschacht und Hannes, Walter, Michi und Harald beginnen mit dem Spinnenschacht. In unserem sehr schönen Schacht stecken als Verankerung 10er-Anker, also dürfen wir in altbewährter Weise auf die Sanduhren daneben zurückgreifen. Mit Ankern in allen denkbaren Dimensionen wollen wir die Höhle ja auch nicht verschandeln. Der Spinnenschacht beginnt als enger Gully unmittelbar an der Fahrspur einer Forststraße. Er führt als fast senkrechter Schacht 25 m in die Tiefe, wo sich Gänge und Schlüfe verzweigen. Die Messgruppe Hannes hat sich bei unserem Eintreffen schon weit in die Hauptstrecke vorgearbeitet, also nehmen die Mädels den ansteigenden Seitenschluf links (Nordostgang) und wir den abfallenden Seitenschluf rechts (Südwestgang). Humusüberzüge, die wie schwarze Strümpfe an den Stalaktiten kleben zeigen an, dass sich hier das Wasser zurückstaut. Während ich mich in den gewundenen, mit Wasserlacken garnierten Abfluss hineinwurschtle geht mir der CO2-See im Gugans-Schluckloch nicht aus dem Sinn. Nur am Boden ist ein halbwegs sauberer, dafür nasser Sinterstreifen, alles andere ist schlammbedeckt, und von der Decke hängen schwarze Zotten herunter. Nach ein paar Biegungen wird es schließlich zu eng. Die Mädels sind da weit erfolgreicher: auch sie müssen sich zuerst durch eine nasse, hier bräunlich-lehmige Engstellenpassage durcharbeiten, dahinter folgen aber schöne Strecken, wo sie auch noch etwas für Nachfolger übrig lassen. Beim Team Hannes endet es nach einem Kletteraufstieg an einem kleinen, senkrechten Schlot, an dessen Plafond es aber nicht gar so verheißungsvoll aussieht. Wir bringen die Höhle vorerst auf 151 m.
\r\nFür uns ungewohnt ist die reichhaltige Faune dieser Höhlen: An den Wänden sieht man zu Hauf Spinnen, Käfer, Heuschrecken, Fledermäuse, Nacktschnecken, am Boden drücken sich Feuersalamander zur Seite, um nicht unter unsere Stiefel zu geraten, und in den Wasserbecken tummeln sich bis 2cm große Niphargen.
\r\nAm Nachmittag, nach 204 kartierten Ganglängenmetern genießen wir noch das überall sprießende Grün und tun ein wenig chaotisch und auf Relax. Mögen uns heuer zahlreiche derart erfolgreiche Touren gelingen! Hannes aber wünsche ich, dass sich bald eifrige heimische Höhlenbären seinen Katasterarbeiten anschließen, und sich unsere Gastarbeiter-Tätigkeit wieder auf „Gast“ reduzieren kann!

Mit dabei: Michael Aschauer, Barbara Funk, Eckart Herrmann, Walter Mühlbacher, Harald Sigmund, Peter Straka, Johannes Wallner, Barbara Wielander
Vermessen: 204 m

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Neue Höhle (Schädelkammer) Foto: Barbara Wielander
Neue Höhle (Schädelkammer) Foto: Barbara Wielander
Himmelreichschacht. Foto: Peter Straka
Himmelreichschacht. Foto: Peter Straka
Himmelreichschacht. Foto: Peter Straka
Himmelreichschacht. Foto: Peter Straka
Himmelreichschacht. Foto: Peter Straka
Himmelreichschacht. Foto: Peter Straka
Spinnenschacht - ein Gully an der Forststraße. Foto: Peter Straka
Spinnenschacht - ein Gully an der Forststraße. Foto: Peter Straka
Im Spinnenschacht. Foto: Peter Straka
Im Spinnenschacht. Foto: Peter Straka
Ma kennt jo a am Seil steigen, oba wer wü des scho? Foto: Peter Straka
Ma kennt jo a am Seil steigen, oba wer wü des scho? Foto: Peter Straka

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