Forschungswoche Schiestlhaus

27. August bis 4. September 2016   Hochschwab

Das sechste Mal fand eine Forschungswoche am Schiestlhaus (knapp unterhalb des Hochschwabgipfels) statt. Die Teilnehmerzahl variierte im Wochenverlauf zwischen 8 und 13 Forscherinnen, auch heuer waren wieder tschechische und einige ungarische Forscherkollegen beteiligt. Dank des hervorragenden Wetters (nur an einem Tag gab‘s Regen) war die Aktion höchst erfolgreich. Christian, Wolf und der restlichen Schiestlhauscrew sei schon zu Beginn für die großartige Unterstützung beim Hubschraubertransport, das nächtliche Essen, und die wilden Parties im Keller gedankt. Wiener Wasser (MA31) unterstützte uns finanziell und logistisch (Shuttlebus auf die Edelbodenalm).
\r\n\\r\\nInsgesamt wurden rund 30 Höhlen erstmals dokumentiert, darunter sind vier Mittelhöhlen. Die Eismauerhöhle ist die Längste mit rund 150 m Länge. Sie liegt nur ca. 200 m nördlich vom Schiestlhaus und ist durch 70 m Abseilen zu erreichen. Weitere Schwerpunkte der Höhlen-Neuaufnahme waren das Gschödererkar, das Gebiet südlich des Potentialschachts bzw. der Wasserböden sowie das Rauchtal.
\r\n\\r\\nDauerbrenner waren die in den Jahren zuvor entdeckten Großhöhlen: Speikbodenhöhle, Potential- und  Steinbockschacht. In der Speikbodenhöhle (Eingang in 2100 m Höhe) wurden in zwei Touren einige Fragezeichen angeschaut und rund 250 m Neuland vermessen. Ein stark bewetterter hoffnungsvoller Kletteraufstieg im Horizontalteil endete leider in einem tagnahen Versturz. Unerwartet war hingegen die Entdeckung eines zweiten Schachtsystems, dass am Beginn des 2015 entdeckten Tiefensystems (bis -250 m) ansetzt. Obwohl ein Einmünden in das bekannte System vermutet wurde konnte es 130 m in die Tiefe verfolgt werden. Rund 180 m unterm Eingang wurde an einem sehr Steinschlaggefährdeten Schacht bzw. Verstürzen aus Zeit- und Materialmangel umgekehrt. Die Länge der Speikbodenhöhle beträgt nun rund 1,9 km.
\r\n\\r\\nIm Potentialschacht wurden nur einige Reststrecken (rund 50 m) vermessen. Dafür konnte eine aufgrund der Vermessung vermutete Verbindung der tagfernen Teile mit dem 2. Schacht des engräumigen Zubringersystems mittel Rufen bestätigt und dann zu einer befahrbaren Abkürzung erweitert werden. Dieser Abschneider verkürzt den Zustieg um rund eine halbe Stunde. Die neue Länge beträgt ebenfalls rund 1,9 km.
\r\n\\r\\nVor allem die Ungarn widmeten sich wieder dem auf 2020 m Seehöhe gelegenen Steinbockschacht, was aufgrund der relativ trocknen Verhältnisse gut möglich war. Hier wurde das letztes Jahr entdeckte Paralleluniversum, das eine Parallelstrecke zwischen -50 und -220 m darstellt erforscht und vermessen. Leider bietet es wie der Fast-100-m-Schacht des alten Wegs ebenfalls kein hochwassersicheren Abstieg. Einige hier ansetzende Fortsetzungen – Canyons und vermutlich auch phreatisch entstandene Gänge - wurden erst zum Teil bearbeitet. Das spannendste Ergebnis gelang jedoch in der 310 m unterm Eingang ansetzende Tiefenfortsetzung. Der anfangs als wasserführender Canyonschacht entwickelte Nicht-wahr-Schacht vereinigt sich bald mit anderen großen Schächten zu einem gewaltigen Schacht. Der unregelmäßige Querschnitt mit zahlreichen Fenstern und Brücken erreicht im Mittelteil 35 x 25 m, hat aber etliche nicht einsehbare Ausläufer. Der 8 m breite, völlig blank gewaschene Grund des 250 m tiefen Direktschachts wurde bei der 2. Tour erreicht. Hier setzt ein uneinsehbar hoher Canyon mit einem Bächlein (ca. 1-2 l/s am vierten Schönwettertag) an, in dem eine Schachtstufe abgeseilt und eine zweite abgeklettert wurde. Die Befahrung endete aufgrund von Seilmangel in 608 m Tiefe an einer 27-m-Stufe. Die Ganglänge beträgt nun 1,3 km.
\r\n\\r\\nGeologische Messungen und Probennahmen betrafen neu gefundenen aktiven Störungen. Im Potentialschacht wurden Proben von Cryogenen Kalziten genommen. Weitere Erkenntnisse über die Fledermauspopulationen am Hochschwab gewann Kathi Bürger, da sie in vier Nächten ihren Batcorder an verschiedenen Orten aufstellte. Sie konnte 118 Rufe aufzeichnen und vier Arten (bzw. Artgruppen) identifizieren.
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Mit dabei: Gyurci Adamoczky (HU), Harald Bauer, Ivo Barón (CZ), Kathi Bürger, Jozef (Joschka) Szalai (CZ), Barbara Funk, Lili Guggenberger, Alexandra Haslauer, Bibiana Heigl, Hana Janeckova (CZ), Otakar (Ota) Krásný (CZ), Gergely Pajor (HU), Lukas Plan, Pauline Oberender (D), Zoltán Sümegi (HU), Leto Tokarev (HU)
Vermessen: 1300 m

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Blick auf das Schiestlhaus. Foto: Ivo
Blick auf das Schiestlhaus. Foto: Ivo
Christian genießt die Sonne. Foto: Otakar
Christian genießt die Sonne. Foto: Otakar
Ota und Hana während der Vermessung der Eismauerhöhle. Foto: Ivo
Ota und Hana während der Vermessung der Eismauerhöhle. Foto: Ivo
Große mit Schnee gefüllte Doline an deren Rand eine Höhle ansetzt. Foto: Gergely
Große mit Schnee gefüllte Doline an deren Rand eine Höhle ansetzt. Foto: Gergely
Alternative Sicherung aus Ermangelung einer Bohrmaschine. Foto: Gergely
Alternative Sicherung aus Ermangelung einer Bohrmaschine. Foto: Gergely
Hana und Joschka. Foto: Ivo
Hana und Joschka. Foto: Ivo
Sinterformationen im neu entdeckten Schacht Speikbodenhöhle. Foto: Lukas
Sinterformationen im neu entdeckten Schacht Speikbodenhöhle. Foto: Lukas
Aufstieg im neu entdeckten Schachts in der Speikbodenhöhle. Foto: Lukas
Aufstieg im neu entdeckten Schachts in der Speikbodenhöhle. Foto: Lukas
Schachtgrund des Nicht-wahr-Schachts im Steinbockschacht. Foto: Lukas
Schachtgrund des Nicht-wahr-Schachts im Steinbockschacht. Foto: Lukas
Gruppenfoto am Grund des Nicht-wahr-Schachts. Foto: Lukas
Gruppenfoto am Grund des Nicht-wahr-Schachts. Foto: Lukas

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